Der Tod ist in der Tat eine furchtbare Prüfung, die unsere tiefsten Sehnsüchte nach Glück erschüttert. Diese widernatürliche Trennung von Seele und Körper, die letzte Folge der Erbsünde, war nicht von Gott gewollt, da Er uns für das Leben und das Leben in Fülle geschaffen hat.
Angesichts des Todes ist es normal, Abscheu zu empfinden
Alles, was das Leben bedroht, weckt in uns die zutiefst menschlichen Gefühle der Angst und Furcht. Der Sohn Gottes selbst hat diese existenzielle Angst in Gethsemane erlebt, angesichts seines bevorstehenden Todes; und zwar so sehr, dass er Blut schwitzte.
Jesus hatte um unseretwillen Angst. Er hat wahrhaftig unser Fleisch angenommen, mit all seinen Schwächen und Leiden, und hat diese bis zum Äußersten auf sich genommen, um uns zu retten.
An Gott zu glauben bedeutet, die Gewissheit zu haben, niemals allein zu sein, dass Jesus uns bei allem, was wir erleben, zur Seite steht – bis hin zur äußersten Einsamkeit des Todes.
Der Glaube an die Auferstehung verändert unsere Sichtweise auf den Tod und verleiht ihm einen Sinn
Mit Christus haben wir den beängstigenden Tunnel des Todes durchquert und sind siegreich ins Licht des Lebens hinausgetreten. Der Tod, der nun hinter uns liegt, ist nicht mehr die Vernichtung, als die er erscheint. Er hat sich in einen Übergang verwandelt, in eine Geburt ins wahre Leben. Er ist kein Sprung ins Leere mehr, sondern ein Sprung in die Arme unseres himmlischen Vaters, der uns bedingungslos liebt und uns in seiner Vergebung empfängt.
Das ist der Sieg unseres Glaubens: Er verwandelt den Tod in Auferstehung und die Angst in Hoffnung. Er schenkt Kraft, Frieden und Freude mitten in der Prüfung.
Der Glaube ist jedoch nicht das Opium, das jegliches Leid betäuben würde
Doch da wir ihn überwunden haben, wirkt er weniger erdrückend. Das Wesen des Todes hat sich nicht geändert, er bleibt ein Übel, doch durch den Glauben wissen wir, dass Gott daraus das größte Gut überhaupt hervorbringen kann: das ewige Leben.
Es braucht jedoch Zeit, bis sich dieser Sieg in unserem Leben verwirklicht. Und oft ist es der Preis eines langen Kampfes, bis es uns mit Hilfe der Gnade gelingt, uns auf die Entäußerung durch den Tod einzulassen, ihn im Glauben und in der Liebe als Opfer darzubringen, in der Hoffnung auf eine Begegnung, einer Umarmung mit dem Gott des Lebens. Dann wird es möglich sein, mit dem heiligen Franziskus zu singen: „Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester, den leiblichen Tod!“
Oftmals gelingt es uns erst nach einem langen Kampf, den Tod in der Hoffnung auf eine Begegnung, auf eine Umarmung mit dem Gott des Lebens zu erleben.
Schwester Jeanne-Marie (Artikel erschienen in der Zeitschrift „Chemin d’éternité“, Nr. 300)




